Donnerstag, 6. Mai 2010

Die Begegnung

Sabine Fenner

Die Jahre vergehen.
Die Einsamkeit nagt.
Oder die Angst,
einen lieben Menschen zu verlieren.

Nach Dingen suchen, die Tiefe haben.
Verstehen, dass das Leben Brüche hat.
Nicht auf die Leute mit den Rezepten hören.
Den leisen Menschen entgegen gehen.

... das waren meine Gedanken,
als ich diese Geschichte las.

Jorge D.R.

( Unter dem obigen Titel werde ich euch auch in Zukunft in loser Folge ein wenig von Menschen erzählen, auf die ich in der Literatur, der Musik, der Malerei, der Fotografie, beim Reisen, in den Weiten des Netzes oder im wirklichen Leben gestoßen bin. )

Mittwoch, 5. Mai 2010

Edmonton, Alberta, Canada

Klick ergibt Orginalgröße
Blick aus dem Fenster am 4. Mai 2010 um 8:00 Uhr morgens

12 Stunden später




Dienstag, 4. Mai 2010

Der etwas andere Reisebericht

Hilferuf

Liebe Lyrikfreundinnen und Lyrikfreunde,
heute brauche ich euch. Ich brauche euren Trost und eure moralische Unterstützung. ***heul*** Als ich heute Morgen aus dem Fenster schaute, begrüßte mich dichtes Schneetreiben und eine geschlossene Schneedecke. Das Thermometer zeigte MINUS 3 Grad. Wo ich bin? Ich bin in Edmonton, Alberta, Canada. So - und jetzt werde ich all euch Canada-Fans mal aus vollem Herzen desillusionieren. Edmonton rühmt sich, die kälteste Großstadt der Welt zu sein. In der zweiten Dezemberwoche hatten wir hier MINUS 46 Grad bei Windstille! Fairerweise muss man sagen, dass damals keine einzige Wolke am Himmel war. Und der Himmel ist nirgends so groß wie in Alberta. Heute ist der 4. Mai und es ist immer noch Winter. What a country! Im Moment ist das Schneetreiben so dicht, dass ich das Haus gegenüber kaum erkennen kann. ***schluchz*** Ich will heim. Der Wettermann im Radio warnt gerade vor gefährlichen Sturmböen bis zu 110km pro Stunde auf dem Highway zwischen Edmonton und Calgary. Das ist die Hauptverkehrsader der Provinz Alberta. Da werden heute wieder einige Autos im Straßengraben landen. Und soeben naht der nächste Grund zur Verzweiflung. Der deutsche Opa ist dabei, den Respekt seines Enkelsohns zu verlieren. Der dreijährige Knirps will im Garten Fußball spielen, so wie wir das die letzten Tage getan haben. Er steht am Fenster und schaut auf die weiße Landschaft. 'Why not?' fragt er. Mit meiner Antwort habe ich Pech. Als ich ihm sage, dass es draußen zu kalt ist, läuft der Nachbar zum Briefkasten - in kurzen Hosen und T-shirt! 'It's not cold' erwidert der Kleine mit vorwurfsvoller Stimme. Meine Bemerkung 'Im Schnee kann man nicht Fußball spielen' quittiert er mit der Frage 'Why not?' ***seufz*** Was für ein Land, wo die Kinder schon so robust sind! Und weil dieser Hilferuf jetzt viel zu lang wird, ist mir jetzt auch noch das Toast angebrannt und hat den Feuermelder ausgelöst. Unglaublich, wie laut das kleine Ding ist. Und wie komme ich an die Decke, um ihn auszuschalten? 'Put the little chair on the big chair' kommandiert der Kleine. Endlich kann ich meinen Morgenkaffee genießen. Doch da tönt es vom Fenster her: 'Birdies can't eat!' Also werde ich wohl das Futterhaus noch mal füllen müssen :-( Aber jetzt bringe ich erst diesen Hilferuf an euch zu Ende. Dann bin ich halt kein guter Opa. Ist mir so egal! ***doppelschluchz*** Ich will heim. In das Land wo alles grün ist. In das Land, wo alles blüht.

Jorge D.R.

Freitag, 30. April 2010

Unterwegs

Die meisten bleiben,
behalten ihre Wurzeln.
Das schützt vor Verdursten
und Träume sind auch Heimat.

Manche aber müssen wandern,
damit eine Spur zum Weg wird.
Wenn sie Glück haben dabei,
leuchtet ihnen der Silbermond heim.

Jorge D.R.

Klick hier Ein fremdes Land (Gesang)
oder auch hier Ein fremdes Land (Instrumental)




Landarbeiter in
Guatemala


Donnerstag, 29. April 2010

Die Begegnung

Margot Kässmann

Selbst wenn unsere Wunden, unsere Verletzungen, unsere Brüche im Leben heilen, bleiben sie Teil unserer Geschichte. Sie können vernarben, aber nicht aus unserem Gedächtnis getilgt werden. Es gibt kein Leben ohne Brüche, ohne Narben.

( Unter dem obigen Titel werde ich euch auch in Zukunft in loser Folge ein wenig von Menschen erzählen, auf die ich in der Literatur, der Musik, der Malerei, der Fotografie, beim Reisen, in den Weiten des Netzes oder im wirklichen Leben gestoßen bin. )

Montag, 26. April 2010

Die Begegnung

Eric, der Kanadier

Es war im Norden von Kanada. An einem beißenden Wintertag. 46 Grad Minus. Der Blizzard kam aus Nordost und wehte mir direkt ins Gesicht. Ich war auf dem Heimweg. Die Funktionsjacke hielt mich warm. An dem dicken Schal vor dem Mund gefroren meine Tränen. Meter für Meter hielt ich die Augen einfach geschlossen. Ich sah die Gestalt erst, als ich nur noch wenige Meter hinter ihr war. Es war ein alter Mann, der sich nur sehr langsam vorwärts bewegte. Meine Frage, ob er Hilfe bräuchte, ließ seine Augen blitzen: "Oh no. I'm fine. No problem." Sein Name war Eric. Meine Bewunderung für ihn quittierte er mit dem Satz: "Every day is a bonus day when you are eighty-four."


Jorge D.R.

( Unter dem obigen Titel werde ich euch auch in Zukunft in loser Folge ein wenig von Menschen erzählen, auf die ich in der Literatur, der Musik, der Malerei, der Fotografie, beim Reisen, in den Weiten des Netzes oder im wirklichen Leben gestoßen bin. )

Samstag, 24. April 2010

Die Begegnung

Frau Einstein versus Frau Moppelmann

Frau Einstein besichtigte ein Teleskop im Mount-Wilson-Observatorium. Ihr Führer erklärte, man könne damit Form und Gestalt des Universums bestimmen. Sie erwiderte: "Ach, das tut mein Mann auch, aber meistens auf dem Rücken eines alten Briefumschlags ...".


Herr Moppelmann ist unsicher, ob die Worte seiner Frau nun eine Beleidigung waren oder nicht. Mit tröstlicher Stimme sagt seine Gattin: "Ja, es war eine Beleidigung, aber für kluge Leute, Schatz."


Jorge D.R.

( Unter dem obigen Titel werde ich euch auch in Zukunft in loser Folge ein wenig von Menschen erzählen auf die ich in der Literatur, der Musik, der Malerei, der Fotografie, beim Reisen, in den Weiten des Netzes oder im wirklichen Leben gestoßen bin. )

Donnerstag, 22. April 2010

Die Begegnung

Dietrich Bonhoeffer

Zunächst gibt es nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann und man soll das auch gar nicht versuchen. Man muss es einfach aushalten und durchhalten. Das klingt zunächst hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus. Er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch, unsere echte Gemeinschaft miteinander - wenn auch unter Schmerzen - zu bewahren. Ferner, je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. Man muss sich hüten, in den Erinnerungen zu wühlen, sich ihnen auszuliefern, wie man auch ein kostbares Geschenk nicht immerfort betrachtet, sondern nur zu besonderen Stunden, und es sonst wie einen verborgenen Schatz betrachtet, dessen man sich gewiss ist. Dann geht eine dauernde Freude und Kraft von dem Vergangenen aus.

( Unter dem obigen Titel werde ich euch auch in Zukunft in loser Folge ein wenig von Menschen erzählen, auf die ich in der Literatur, der Musik, der Malerei, der Fotografie, beim Reisen, in den Weiten des Netzes oder im wirklichen Leben gestoßen bin. )

Jorge D.R.

Freitag, 16. April 2010

Eine Reiseerzählung aus Mexiko

( Diese Geschichte ist im Rahmen von Donnas Schreibwerkstatt entstanden. )

El Chepe – der Zug, der in die Wolken fährt

Viel Zeit blieb nicht mehr. Schon in wenigen Stunden würden wir in einen fast zweitausend Meter tiefen Schlund blicken. Wir hatten vor, mit dem berühmtesten Zug Amerikas durch die einsame, knüppeltrockene und bizarre Wüstenlandschaft der Sierra Madre im Nordwesten von Mexiko zu fahren. Mit gezücktem Notizblock und gespitzten Bleistift warteten wir auf den Beginn des Abenteuers. Und hier ist die Geschichte, die dabei heraus kam.

Dienstag, 13. April 2010

Ihr Lächeln

Flecken auf dem Tischtuch.
Ihre Hände zittern.
Alles im grünen Bereich, sagt sie.
Doch das Gesicht
trägt einen Mantel
aus Leid und Angst.

Mit Worten will ich
Wärme bauen
gegen ihre Trauer
und die Tränen,
über den Abgrund hinweg.

Als ich
die Kerze entzünde,
bricht Hoffnung auf
in den sonst müden Augen:
Ihr Lächeln
altert nicht.

Jorge D.R.