Freitag, 26. Februar 2010

Die Bischöfin

Sie hatte immer meine Begeisterung.
Respekt und Trauer sind jetzt dazu gekommen.

Jorge D.R.

Dienstag, 23. Februar 2010

Genesung

Als sich dieser Morgen gegen die Nacht stemmte,
hatte sie zum ersten Mal ihr Bett verlassen.

Er verglich sie mit einer 'Rose zwischen Unkraut',
aber sie schüttelte nur den Kopf.

Er rühmte sie als 'Flower of the West',
aber sie lächelte nicht.

Er nannte sie 'schönste Lotusblüte des Pazifik',
aber sie lachte ohne einen Ton.

Doch über ihre blassen Lippen kamen die Worte:
'Wow - das ist aber eine Menge Wasser!'

Als sich dieser Abend gegen die Nacht lehnte,
begann er damit, die Sterne zu zählen.

Denn das hatte er ihr versprochen,
wenn sie wieder sprechen würde.

Jorge D.R.

Samstag, 20. Februar 2010

Die längste Stunde

( Diese Geschichte ist im Rahmen von Donnas Schreibwerkstatt entstanden. )

Sie wusste nicht, wie sie in dieses Zimmer gekommen war.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Ein Mann und eine Frau



aufgebrochen bin ich
schon mehrfach
ohne anzukommen
suchte den traum
der mich schlafen lässt
fand eine liebe die
es nie gab beim erwachen

verborgene lieder
haben wir gesungen
vom silbermond und
nie habe ich gewusst
warst du ruf oder echo
habe nicht erkannt
dass es ein abschied war

spiegelbilder in augenblicken
ich hätte sie aufschreiben sollen
die ideen und momente
die du vergessen hast
als der morgen dich weckte
und dein neues herz
leise zu schlagen begann

worte einst leicht und hell
leisten heute widerstand
im land der sehnsucht
werde ich das vergessen üben
leg dich noch einmal an meine seite
und helf mir durch die nacht
dann darfst du gehen

Jorge D.R.

Montag, 8. Februar 2010

Versteck

ich will mich blenden lassen
von den spiegelungen deiner augen
will von deinen lippen raten
welche worte du mir vor die tür legst
will dein stolzes schreiten genießen
wenn du auf mich zukommst
will dir schutz geben
wenn dein herz weint
will die argumente bei seite ziehen
wenn du an mein fenster klopfst
will dich lieben
wenn du mein versteck findest

Jorge D.R.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Der Quatschkopf

Der Deutschunterricht, den Opa seiner achtjährigen kanadischen Enkeltochter gibt, verläuft oft sehr einseitig und, was die Lerninhalte betrifft, nicht immer im Sinne der Mutter. Quasselstrippe, Plaudertasche, Klatschbase, Plappermäulchen. All diese Ausdrücke kommen inzwischen fließend und mit einem süßen Akzent über die Lippen des kleinen Mädchens, wenngleich es die Worte nicht immer sehr sinngemäß anwendet. Mit einem solchen Wort belegt, dreht es nämlich den Spieß oft einfach um und nennt Opa so. Dieser nimmt es hin, wie das eben ein richtiger Opa hinnimmt. Doch neulich war auch bei ihm eine Grenze überschritten. Sagt doch die Kleine voller Ernst: 'Du Quatschkopf'.
Mit mindestens drei Falten auf der Stirn fragt er seine Enkelin: 'Wo hast du denn das her?' Ihre Antwort: 'Granny calls you that.'

Jorge D.R.

Dienstag, 2. Februar 2010

Grün in Weiß

Im Schnee das Licht sehen,
auch wenn es kalt wird.
Das Eis durchbrechen,
auch wenn es weh tut.
Grün hegen wie das Leben,
auch wenn das Weiß blendet.
Neue Wege suchen,
auch wenn du stolpern wirst.
Nicht auf der Stelle treten,
denn das ist tödlich.

Jorge D.R.

Das Bild ist von Ursa. Danke dir, liebe Ursa!

Freitag, 22. Januar 2010

Der erste Schnee

Ich schreibe dir.
Auch ohne dich
ist das Herbstlaub bunt
und der Himmel blau.
Vögel höre ich singen
und Kinder lachen,
auch ohne dich.

Doch wenn die Kälte kommt,
werden die Menschen stumm.
Meiner Trauer ziehe ich
einen Mantel an,
denn der Nordwind
zerfetzt meine Gedanken.

Mit den weißen Flocken
kommt die Stille.
Ohne Sprache bin ich
und ohne eine Spur,
der ich folgen kann.
Und ohne dich.

Doch wenn die Sonne wieder aufgeht,
sehe ich dein Gesicht über dem Eis.
Und immer wenn der Schnee
dein Lächeln verwischt,
male ich unsere Namen auf ihn
und mitten ins Herz.
Gegen das Vergessen.

Jorge D.R.

Hier könnt ihr das Gedicht hören:

Samstag, 16. Januar 2010

Die letzte Geschichte aus Kanada

Gerettet im Nordpolarmeer

Ein richtiges Januargefühl wollte sich nicht einstellen.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Die Welt ist ein schöner und zugleich schrecklicher Ort. Jeden Augenblick werden Greueltaten begangen, und am Ende sterben die, die wir lieben. Wären die Schreie aller Lebewesen dieser Erde zu einem einzigen Schmerzensschrei vereint, würde er die Sterne erzittern lassen. Aber wir haben die Liebe. Sie mag uns zu zart erscheinen, um uns gegen die Schrecken dieser Welt zu schützen, aber wir müssen an ihr festhalten und an sie glauben, denn sie ist alles, was wir haben.

Aus P.D. James 'Ein makelloser Tod'