Samstag, 20. Februar 2016

bitte

wenn wir
das unsichtbare
sehen

wenn uns
das undenkbare
begegnet

dann stirb vor mir
nur eine kleine gegenwart
früher

ich will nicht
dass du das bett neben dir
leer siehst

© Jorge D.R. 2016

Sonntag, 14. Februar 2016

Zichorie Zauber

Manche Dinge kann man lernen. Zum Beispiel Programmieren. Andere Dinge kann man, oder man kann sie nicht. Gabriele Pflug gehört zu den Könnern. Man spricht gemeinhin auch von Begabung.

Ich war immer beeindruckt von der Kraft ihrer Worte, ihrem Einfühlsungsvermögen und ihrer sprachlichen Klarheit. So manches von Gabrieles Gedichten hat mich derart verzaubert, dass ich sie mir mit Papier und Bleistift noch einmal notiert habe - nur, damit "das Lesen" langsamer ging.

Allerdings war es schwierig, an Texte von Gabriele Pflug heranzukommen. Das hat sich geändert. Gabriele Pflug, alias Wegwarte, hat einen eigenen Blog mit dem geheimnisvollen Namen Zichorie Zauber. Die Adresse ihres Blogs lautet:


Zichorie Zauber

Gabriele hat mir erlaubt, eines ihrer Gedichte hier in Traumtuch zu veröffentlichen.



ruhe

wenn manchmal
die schlaflosigkeit
sich von meiner seite löst

steht sie nächtelang
vor dem fenster
und starrt hinaus

ihr kehlgesang dunkelt
alle wörter ein
bis sie verschwinden

morgens legt sie mir
das wort ruhe
vor die füße

© G.P.2016

Montag, 8. Februar 2016

hier und dort

ich war hier
wo sich die zeit
im augenblick versteckte
und die leute vorbei gingen

dort war ich auch
weißt du noch
als ich zu spät kam
und deine tasse leer war

dein lächeln hatte
einen abdruck hinterlassen
in meinem gedicht über
sehnsucht und das leben

© Jorge D.R. 2016

Sonntag, 24. Januar 2016

vom reiz eines januartages

© Hans Engelbert Arnold, Schweiz


laub von gestern
legt letzte worte
auf blendendes weiß

wind streichelt
das welkende gras
tröstend

vergebliche worte
verkümmern
zu nackten halmen

das herz
taktet stille
hinter ihren schatten

traurig verblassen
träume von
ewiger jugend

unterm schnee
ein hoffen auf
wachsen

noch einmal
öffnet die sonne
den morgen

© Jorge D.R. 2016

Dienstag, 19. Januar 2016

Outer Space

Nachdem mein Leben letztes Jahr im April eine andere Richtung eingeschlagen hat, als ich es wollte, musste ich auch meine Reisegewohnheiten umstellen. Unser geliebter Toyota Geländewagen HZJ 105 ist verkauft. Statt dessen mache ich jetzt sogenannte "geführte Touren".

Die von Alexander Gerst geleitete Erdumrundung war einsame Spitze. Highlights sozusagen am Fließband. Grandiose Sonnenuntergänge. Riesige Wolkenformationen. Sterne. Ozeane. Aus dem Dunkel der Nacht aufleuchtende Städte. Die Milchstraße. Kurz - der Stoff aus dem die Träume sind. Und natürlich - jede Menge "Rohmaterial" für Gedichte.

Demnächst hier mehr. Einfach mal wieder vorbei schauen.

Jorge D.R.



Montag, 18. Januar 2016

zurück

leise
ohne aufhebens

zurück
aus der fremde

angekommen
bei mir

endlich
zu hause

Samstag, 16. Januar 2016

nur ein gefühl

es war nicht
fremd
irgendwie war es
vertraut
und als
alles vorbei war
kam die
erkenntnis

© Jorge D.R. 2016

Freitag, 1. Januar 2016

vielleicht

vielleicht gehst du
wieder auf reisen
mit geflicktem herz
und einer gerissenen seele

segelst auf tränen
durch alte träume
überlässt der hoffnung
die navigation

nimmst worte mit
andere als damals
solche die tragen
durch die nacht

bittest um schutz
und hältst inne
bei denen
die dich lieben

geduldig wartest du
auf den mut
für den nächsten schritt

Samstag, 26. Dezember 2015

zu ende

wenn man laub
so deutlich rascheln hört
denke ich, dass
sprache etwas schönes ist

voll zuversicht
feile ich an worten
in hellem licht
bastle ich an sätzen

ach hätte ich doch
früher gelernt
dass es im leben
ein zu spät gibt

mit dir zusammen
könnte ich
mein gedicht
zu ende bringen

Jorge D.R.

Dienstag, 1. Dezember 2015

wie damals

mischst mir
tränenperlen
in die träume

dein helles lachen
klingt wie damals

Jorge D.R.