Sonntag, 4. November 2012

Noch einmal

I

Angst vor zu viel Glück.
Wut auf die Vergänglichkeit.

Die Sekunden beobachten,
wie sie Erinnerung werden.
Den Tagen zuschauen,
wie sie einsamer werden.
Den Tönen zuhören,
wie sie in der Zeit verhallen.
Unter blasser Haut spüren,
wie der Puls schwächer wird.

Trauer über das,
was wir Leben nannten.

II

Wenn sich die Tage nach Westen neigen,
wird Gelassenheit meine Freundin sein.

Auf der anderen Seite der Brücke
werde ich dich erwarten.
Eine Hand voll Morgen
werde ich dir dann schenken,
damit der Blick zurück
nicht so weh tut.
Traumpfade werden wir wandern,
verlorene Zeit einsammeln
und eine neue Zukunft daraus bauen.

Versprochen - wenn du kommst,
machen wir alles noch einmal.


Jorge D.R.

Kommentare:

  1. Ganz feine, tiefe Gedanken, die Raum lassen - wunderbar, lieber Jorge D.R.!

    ..grüßt dich Monika

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  2. noch einmal - versprochen! ich wünsche dir diese gelassenheit ...
    lg monika

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  3. Lieber Jörg,

    habe lange gerade über dein Gedicht nachgedacht.

    *machen wir alles noch einmal* - geht das überhaupt? macht man es dann nicht anders?
    Die Zeit ist dann eine andere, vielleicht lässt man sogar Vorsicht walten anfangs, tastet sich sorgsam heran....du verstehst sicher, was ich meine...
    Danke für solch ein Gedicht, welches so sehr zum Nachdenken anregt.

    Dir alles Liebe
    von Herzen,
    Rachel

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  4. Ist es die Jahreszeit, die uns so schwermütig macht? Oder das Feststellen, dass die eigene Zeit irgendwann zu Ende geht und man die eigene Unzulänglichkeit immer wieder spürt?

    Deine Gedanken gehen in die Tiefe, rütteln auf und verlangen nach Auseinandersetzung.

    Mit lieben Grüßen
    Gaby

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  5. I. Trauer, Ängste, nicht loslassen wollen.
    II. Gelassenheit, Hoffnung, nach vorne schauen.

    Mir gefällt besonders die II. Diese andere Seite der Brücke,wo du wartest. Diese Hand voll Morgen drückt soviel Liebe aus. Das gefällt mir ganz besonders.

    Mit lieben Grüßen
    Gerti

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  6. warum kommen mir Deine Worte so unendlich vertraut vor? Es klingt genau so, wie ich es immer empfand, wenn ich Zeilen von dir las u. ich überlege noch heute manchmal...
    Angst vor zu viel Glück? Wie gut kann ich es verstehen. Und doch sollten wir nicht davor zurückschrecken, weil wir dann vor lauter Angst das Glück selbst verpassen. Festhalten, wenn es da ist und so lange, wie es nur geht und dann mit den Wundern von Erinnerungen leben; vertrauensvoll darauf warten, daß die Erinnerungen immer näher herankommen u. wir erkennen, hier ist auch eine Realität. Glückliche Realität,die doch nur vergangen ist. Ohne diese Erinnerungen wären wir leer und hohl, nichts wäre da, was uns füllt. Eine schreckliche Vorstellung, die ich mir gar nicht durchdenken möchte.
    Einen lieben Gruß von Bruni

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  7. Hallo lieber Jorge

    Wie sehr mich dieses Gedicht doch berührt...
    Danke für so große tiefgehende Worte

    ich stecke zur Zeit in einer Zeitschleife fest und es scheint sich alles zu wiederholen..
    wünsche dir und M schöne Weihnachten wo immer ihr auch seid, genießt den Augenblick

    Sternenstaub für Dich
    Sterntalerchen

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