Sonntag, 4. Dezember 2016

Wo du mich finden könntest

Ich behause das Unerbittliche,
die mäandernden Risse kalter Nacht.
Ich könnte dir berichten über
eine erbarmungslose Gegenwart.
Ich ließe das Leben schreiben,
von der anderen Seite des Glücks.

Du fändest mich im Unbestimmten,
außerhalb aller Träume,
hörtest du auf die lautlosen Tränen
zwischen all den Trümmern,
auf rastloser Suche nach Erklärbarem
weit weg von Trost und Hoffnung.

Vielleicht müsstest du
die Zeit anhalten,
bis das Kind auf meinem Arm
kalt geworden ist,
und ich es zudecken kann mit
dem Staub der Hoffnungslosigkeit.

Doch dann
würde ich kommen
und mit dir
nach Licht suchen.
Ein einziger Sonnenstrahl
wäre genug für uns.

© Jorge D.R. 2016

Montag, 7. November 2016

Montag, 26. September 2016

eine weglänge

(für meine einjährige Enkelin)

in die spalten des abends
fällt ein müder tag
du hast aufgehört zu weinen
dein kopf auf meiner schulter

die gedanken des tages
auf der überholspur
verlieren sich
in deinem blonden haar

über die risse zum gestern
holt dein mund
mit "da da" und "oh oh"
die zeit zurück

das lächeln deiner augen
ein blühen auf abruf
lehrt mich schmerzlich
wie oft ich blind war

über die schatten
vom nahen ende
dehnst du den augenblick
hoch in den himmel

so viel leben
im zwischenraum
zeigt mir was bleibt
über den winter hinaus

wie schön
dass du mit mir gehst
wenn auch nur
eine weglänge

© Jorge D.R. 2016

Donnerstag, 19. Mai 2016

schweigen

zu wirre gefühle
für mein herz

zu harte töne
für meine ohren

zu viele worte
für meine sprache

zu laute träume
für meine seele

setz dich zu mir und
hilf mir schweigen

© Jorge D.R. 2016

Samstag, 7. Mai 2016

Nahani

Ich sehe das kleine Bloghaus
vor mir am Nahani River
hinter Wäldern versteckt
weit im Norden von Kanada
es ist Sommer
Beerenzeit und Mücken
bald werden wir die Boote
auf den Rücken nehmen
und zum Fluss runtergehen
es ist Zeit zum Fischen
aber kein Grund zur Eile
noch bin ich im Traum
der Morgen kommt erst

© Jorge D.R. 2016

Samstag, 30. April 2016

R.I.P.

Mit allen Sinnen
(gewidmet Monika Kafka)

Im Lufthauch
eines fernen Echos
höre ich deine Worte

Im Spiegelbild
eines Tautropfens
erkenne ich dein Lächeln

Im Sternenlicht
eines Zeitensprungs
ertaste ich deine Seele

In der Brandung
einer Meereswelle
rieche ich deine Kühle

In der Würze
eines Herbsttages
schmecke ich deinen Geist

In der Wärme
unseres Traumtuchs
spüre ich deine Nähe

Liebe Mo,
ich habe gesucht, aber ich finde einfach keine neuen Worte, meine Trauer zu beschreiben. Ich denke oft an dich. Wie gerne wäre ich weiter dein Schüler gewesen. Noch eine kleine Zeit lang. Ich hätte noch vieles von dir gelernt. Vielleicht würde ich heute sogar ein wenig besser verstehen, was Leben heißt. Aber so bin ich einfach nur traurig.

Dein Jorge D.R.

Monika Kafka, Schlüsselworte

Donnerstag, 28. April 2016

Gemeinsame Wege

Der Abend senkt sich auf
ein verschlungenes Leben.

Mein Blick wandert
von Stern zu Stern.

Bei jedem schaue ich,
was du geschrieben hast.

Die Worte sagen mir,
wer du gewesen bist.

Deine Lücken fülle ich
mit meiner Erinnerung.

Auf der Suche nach Heimat
altert mein Gedicht.

Aus der weiten Senke steigt
langsam die Morgensonne.

Ich öffne die Augen
und sehe dich lächeln.

© Jorge D.R. 2016

Samstag, 2. April 2016

insel im fluss

mit dir
mitten im fluss
noch einmal
der versuch
leben festzuhalten
ungesagtes
zwischen den zeilen
in worte fassen
glückstropfen zählen
mit dir
meiner insel
im fluss

© Jorge D.R. 2016

Donnerstag, 24. März 2016

lachfalten

auf der suche
nach einem wort
gegen die angst

traf ich dich
am leeren rand
einer weglosen ebene

um deine augen
in lachen gefaltete
hoffnung

© Jorge D.R. 2016

Sonntag, 20. März 2016

sonnenuntergang

westliches rot
zerfließt in den abend
feuerzauber
füllt den himmel
die blüte schließt sich
ein traum beginnt

© Jorge D.R. 2016