Montag, 23. Januar 2017

86400 sekunden

am tage
den menschen im blick
manche dinge tun
andere reifen lassen

am abend
die bilanzen schönen
das glück des tages
in die träume geleiten

in der nacht
wege der engel studieren
die leere zwischen den sternen
mit schweigen füllen

am morgen
der hoffnung raum geben
und noch einmal
bei null beginnen

© Jorge D.R. 2017

Sonntag, 1. Januar 2017

vom himmel

vor dem fenster
ein kalter wind
der himmel nirgendwo

schweigen
trägt das lied
von einsamkeit

du gehst
hinaus in die weite
mit leerer hand

im land
ohne horizont
verlierst du dich

in der spur von gestern
läuft die erinnerung
gegen das vergessen

am morgen steigt
ein lächeln
aus der leere

licht über dem eis
spiegelt deine seele
der himmel ist in dir

© Jorge D.R. 2017

Happy New Year 2017

Montag, 7. November 2016

Montag, 26. September 2016

eine weglänge

(für meine einjährige Enkelin)

in die spalten des abends
fällt ein müder tag
du hast aufgehört zu weinen
dein kopf auf meiner schulter

die gedanken des tages
auf der überholspur
verlieren sich
in deinem blonden haar

über die risse zum gestern
holt dein mund
mit "da da" und "oh oh"
die zeit zurück

das lächeln deiner augen
ein blühen auf abruf
lehrt mich schmerzlich
wie oft ich blind war

über die schatten
vom nahen ende
dehnst du den augenblick
hoch in den himmel

so viel leben
im zwischenraum
zeigt mir was bleibt
über den winter hinaus

wie schön
dass du mit mir gehst
wenn auch nur
eine weglänge

© Jorge D.R. 2016

Donnerstag, 19. Mai 2016

schweigen

zu wirre gefühle
für mein herz

zu harte töne
für meine ohren

zu viele worte
für meine sprache

zu laute träume
für meine seele

setz dich zu mir und
hilf mir schweigen

© Jorge D.R. 2016

Samstag, 7. Mai 2016

Nahani

Ich sehe das kleine Bloghaus
vor mir am Nahani River
hinter Wäldern versteckt
weit im Norden von Kanada
es ist Sommer
Beerenzeit und Mücken
bald werden wir die Boote
auf den Rücken nehmen
und zum Fluss runtergehen
es ist Zeit zum Fischen
aber kein Grund zur Eile
noch bin ich im Traum
der Morgen kommt erst

© Jorge D.R. 2016

Samstag, 30. April 2016

R.I.P.

Mit allen Sinnen
(gewidmet Monika Kafka)

Im Lufthauch
eines fernen Echos
höre ich deine Worte

Im Spiegelbild
eines Tautropfens
erkenne ich dein Lächeln

Im Sternenlicht
eines Zeitensprungs
ertaste ich deine Seele

In der Brandung
einer Meereswelle
rieche ich deine Kühle

In der Würze
eines Herbsttages
schmecke ich deinen Geist

In der Wärme
unseres Traumtuchs
spüre ich deine Nähe

Liebe Mo,
ich habe gesucht, aber ich finde einfach keine neuen Worte, meine Trauer zu beschreiben. Ich denke oft an dich. Wie gerne wäre ich weiter dein Schüler gewesen. Noch eine kleine Zeit lang. Ich hätte noch vieles von dir gelernt. Vielleicht würde ich heute sogar ein wenig besser verstehen, was Leben heißt. Aber so bin ich einfach nur traurig.

Dein Jorge D.R.

Monika Kafka, Schlüsselworte

Donnerstag, 28. April 2016

Gemeinsame Wege

Der Abend senkt sich auf
ein verschlungenes Leben.

Mein Blick wandert
von Stern zu Stern.

Bei jedem schaue ich,
was du geschrieben hast.

Die Worte sagen mir,
wer du gewesen bist.

Deine Lücken fülle ich
mit meiner Erinnerung.

Auf der Suche nach Heimat
altert mein Gedicht.

Aus der weiten Senke steigt
langsam die Morgensonne.

Ich öffne die Augen
und sehe dich lächeln.

© Jorge D.R. 2016

Samstag, 2. April 2016

insel im fluss

mit dir
mitten im fluss
noch einmal
der versuch
leben festzuhalten
ungesagtes
zwischen den zeilen
in worte fassen
glückstropfen zählen
mit dir
meiner insel
im fluss

© Jorge D.R. 2016