Mittwoch, 27. Juli 2011

Der neue Job - ein Erfahrungsbericht

Es ist ja allgemein bekannt, dass Rentner manchmal auf ihre alten Tage hin noch was studieren. Am liebsten was mit "ogie" oder "ophie". Die Renner sind dabei Psychologie und Philosophie. Von Hermann Hesse habe ich gelernt, dass man gegen den Strom schwimmen muss, wenn man zur Quelle will. Dorthin muss sowieso jeder wieder zurück, sagte ich mir. Da blieb nur noch zu überlegen, wie man aus dem Einheitsbrei herausragen könnte.  Ist ja bekanntermaßen nicht einfach, auch wenn man nicht gerade der Kleinste ist.


Meinen rettenden Einfall quittierte ich mit einem lauten "Heureka", was meine Lebensausschnittspartnerin zu der besorgten Frage veranlasste, ob ich soeben einen gedanklichen Querschläger gehabt hätte. (Sie kann nicht mal Griechisch!) Ich verneinte, schenkte ihr aber vorsichtshalber ein Lächeln und stürzte mich voll in die Internet-Recherche. "Ich will ein Clown werden!" Dieser Satz hielt bei mir fortan alle noch vorhandenen grauen Zellen besetzt. ( Und ihr habt nicht die geringste Ahnung, wie viele das sind! Ätsch. )

Also jedenfalls stellte ich im Netz der Netze sehr schnell fest, dass es Clown-Schulen gibt. Sogar jede Menge. Dieser positiven Nachricht folgte umgehen die negative, genau wie das im richtigen Leben auch ist. "Für so einen Mumpitz geben wir deine mickrige Rente nicht aus!" beschied meine Finanzministerin.

Da ich immer einen Grund zum weiterkämpfen finde, fiel mir sofort das Selbststudium ein. Die Motivationsphase in Richtung Clown brachte ich sehr schnell hinter mich. Ich nahm mir vier Vorbilder. So eine Menge, gell!?! Eigentlich habe ich noch mehr. Aber das wird noch nicht verraten. Das hat bereits etwas mit dem Punkt "Spannung aufbauen" zu tun.

Karandasch und Charley Chase sind meine Lieblinge. Beide beherrschten die Kunst, selbst Schwächen der Menschen noch sympathisch zu machen. Ersterer brachte sogar in den Kriegsjahren, als die Deutschen vor den Toren Moskaus standen, Millionen seiner Landsleute zum Lachen.

Und dann natürlich Don Quijote. Für mich die herausragende Romanfigur überhaupt. Als Träumer muss er ständig Häme einstecken. Und doch hat er eine seltsame Wirkung auf die Menschen.

Am besten merke ich immer an meiner Verletzbarkeit, dass ich diesen Dreien nicht einmal nahe komme.

Last but not least Marcel Marceau. Er war der größte Pantomime. Auch seine menschliche Größe hat mich stets beeindruckt. Beim Thema "menschliche Größe" liege ich in jedem Ranking mit 1,86m Körpergröße nicht schlecht. In Sachen Mimik klemmt aber manchmal noch etwas. Bei meiner letzten Übung fragte meine Frau teilnahmsvoll: „Oh, mein lieber Schatz, hast Du wieder Muskelkater in Deinem Gehirn?“ Seitdem übe ich nur noch im finsteren Keller. Man wird sehen, was dann auf der Bühne dabei herauskommt.

Wer es heute zu etwas bringen will, der braucht natürlich einen Coach. Auch in diesem Punkt habe ich vorgesorgt. Mein Seelendoktor heißt Demokrit. Ein ziemlich alter, weiser Grieche. Dieser Mann hat mir etwas sehr Tröstliches gesagt: "Es werden mehr Menschen durch Übung tüchtig als durch ihre ursprüngliche Anlage."

Also übe ich auf meine alten Tage "Clown werden / sein".
Und übe ...
Und übe ...


Jorge D.R.

Der kleine Clown und der große Clown

Kommentare:

  1. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich in fortgeschrittenem Alter motivieren können, etwas zu lernen. Der Clown ist sicher eine schwierige Aufgabe, wenn es auch leicht wirkt.
    Du hast bestimmt das Zeug dazu, Jorge D.R.! :-)

    Viel Erfolg beim Üben!
    ..wünscht dir Monika

    P.S.: Du hast dein Bild oben von deinem Enkel und dir mit dem ursprünglichen Traumtuch-Mondbild verdeckt. Das war so sicher nicht beabsichtigt, oder?!

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  2. Hallo Jorge,
    das find ich aber mal super. Ein Mensch, der Clown werden möchte im fortgeschrittenen Alter. Du wirst lachen, aber ich wollte auch als junges Mädchen gerne Clown werden. Das "Albernsein und Dummheitenmachen" liegt mir heute noch. Aber das kann ich nur bei meinen Enkeln zeigen. Allerdings, als ich wieder mal herumblödelte und mich danach vor meinen Söhnen schämte, lachten sie nur und meinten: Mama bleib ruhig so, wie du bist. Na also.
    Liebe Grüße und lebe weiter deinen Traum!!
    Gerti

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  3. Lieber Jorge,

    dein Enkel wird davon profitieren, dich als Clown zu erleben und sein helles Kinderlachen wird dich erfreuen.
    Ich sehe, du bist gut und rundum beschäftigt, das ist gut und bewahrt vor schweren Gedanken oder Dummheiten.

    Ich schicke dir herzliche Grüße!
    Anna-Lena

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  4. Seufz. Wie wunderbar ist das denn??

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  5. Herrlich, das passt ja nun gut zu dem, was Chinomso eben geschrieben hat. Und deine Enkel haben sicher einen schrecklichen Spaß, wenn der Opa seine Clownsübungen macht ;-)

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