Dienstag, 18. Mai 2010

Die Begegnung

Don Alvaro und sein Boss
Es ist ein warmer Frühlingsabend in León, Nicaragua, Centro America. Don Alvaro sitzt auf einem alten Holzstuhl und erzählt von vergangenen Tagen. Seine Frau schält eine Mango und lächelt still in sich hinein. Nur ihre Augen verraten Anteilnahme. Don Alvaro war Pilot. Die letzten Jahre seines Berufslebens hat er eine uralte Piper über die Felder geflogen. Die war beim Start immer derart mit Düngemittel oder Chemikalien gegen diverse Schädlinge beladen, dass er guten Wind für den Start abwarten musste. Das Problem bei diesen Flügen war, dass sie ziemlich weit runter mussten. Und diese geringe Höhe konstant zu halten, war nicht einfach, wie Don Alvaro noch ein zweites Mal, und diesmal noch langsamer, wiederholt. Seine Frau nickt bei diesen Worten heftig mit dem Kopf. Vor allem die Wendemanöver seien 'difficile' - schwierig gewesen. Zwei seiner Freunde hätte es in jener Zeit erwischt. Der eine tot, der andere querschnittgelähmt. Auf meine Fragen antwortet er: 'Nein, ihm sei nie etwas passiert. Und nein, er hätte auch nie Angst gehabt.' Und jetzt mischt sich zum ersten Mal seine Frau in das Gespräch. 'Sein Boss mag ihn.' Dabei zeigt sie mit dem Finger nach oben in den gelbroten Abendhimmel und ein feines Lächeln huscht über ihr Gesicht.



( Unter dem obigen Titel werde ich euch auch in Zukunft in loser Folge ein wenig von Menschen erzählen, auf die ich in der Literatur, der Musik, der Malerei, der Fotografie, beim Reisen, in den Weiten des Netzes oder im wirklichen Leben gestoßen bin. )

Kommentare:

  1. Ach, ist das schön!
    Danke für die zauberhafte Geschichte.

    Gruss, Brigitte

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  2. Lieber Jorge

    eine sehr schöne Geschichte. Nur "sein Boss mag ihn" dazu hätte ich jetzt mindestens hundert "aber" ... aber das lassen wir jetzt besser sein.

    Ach ja übrigens, doch ich wäre wirklich lieber reif. Ich meine, reif ist doch was positives, oder nicht? Jedenfalls mag ich den Käse lieber wenn er schon etwas reif ist :-))

    Ganz liebe Grüsse zu dir rüber
    Brigitte

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  3. sterntalerchen20. Mai 2010 um 20:26

    Hallo Jorge

    eine sehr bezaubernde Geschichte
    hab sie sehr gerne gelesen

    und......ganz liebe Grüße
    mit glitzerndem Sternenstaub grüßt dich ganz lieb

    das Sterntalerchen

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  4. Mich freut es zu erleben, dass du die Gattung der Kalendergeschichte wieder und dabei gekonnt belebst. Deine kleinen Anekdoten haben für uns Leser einen wirklichen Unterhaltungswert. Hier gefällt mir das "leise Lächeln", das für mich auch ein "weises Lächeln" ist.
    Mit Neugier warte ich auf die neue Kalenderseite...

    Herzlichst, E. aus Berlin

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  5. es sind doch immer die interessanten Geschichten die das leben schreibt,
    Liebe Grüße,
    Karl

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  6. "Sein Boss mag ihn", wie nett umschrieben. Mögen ihn weiterhin alle Schutzengel begleiten.
    Danke für diese entzückende Geschichte.

    Frohe Pfingsten und herzliche Grüße,
    Anna-Lena

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